Jungenarbeit in der Ev. Kindertagesstätte Quickborn
Bevor ich in die Thematik Jungenarbeit
einsteige , hier noch ein paar Infos zu meiner
Person .
Ich bin verheiratet und
habe eine Tochter .Neben meiner
Tätigkeit in der Kita bin ich in der
LAG – Jungen Schleswig –Holstein tätig ,
darüber hinaus leite ich
eine Jungengruppe in Neumünster.
In der Kita gibt es Jungengruppen im
Elementarbereich und im Hort .Die Gruppen
in der Kita werden von mir und Herrn
Jörn Stille betreut .
Grundsätzliches zur Jungenarbeit
Jungenarbeit kann nur von
Männern mit Jungen gemacht werden ,geschlechtsspezifische
Arbeit hingegen kann auch von Frauen
mit Jungen geleistet werden .
Ich gehe davon aus ,
° dass Jungen nicht grundsätzlich
defizitär sind , sondern eigene Positionen und vielfältige
Potentiale besitzen . Diese Vielfalt
gilt es durch diverse Ausdrucksmöglichkeiten zu
fördern , im Vordergrund sollten immer
die aktuellen Bedürfnisse der Jungen stehen .
° dass Jungen benachteiligt sind , da
das Männerbild in unserer Gesellschaft starr ist .
Jungen befinden sich in Not und
brauchen daher persönliche männliche Begleitung
Orientierung und Vorbilder .
° dass Jungen und Männer geschützte
Räume brauchen , um ihnen u.a. die Möglichkeit
zu geben , sich mit der eigenen Rolle
auseinanderzusetzen und /oder auch ihre Anteile
ausleben zu können , die nicht den
männlichen Rollenerwartungen entsprechen .
° dass Jungen angenommen , ernst
genommen und wertgeschätzt werden wollen .
° dass Männer und Jungen sich selbst
organisieren müssen und soziale Gemeinschaften
bilden sollen, die Integration und
Solidarität untereinander fördern
Warum ist Jungenarbeit wichtig ??
In den ersten 10 Lebensjahren
erleben Jungen in ihrem Alltag kaum männliche
Vorbilder, Identitätspersonen . Wie
soll ein Junge seine eigene Identität entwickeln
wenn er überwiegend von Müttern ,
Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen
erzogen wird ?
Durch das Fehlen männlicher
Bezugspersonen erleben die Jungen kaum Männer
wie sie sich im Alltag verhalten . Mit
der Frage was ist männlich , werden die Jungen
weitgehendst allein gelassen . Ihr
Männerbild wird von gesellschaftlichen Klischees
und unrealistischen Idealbildern , z.B.
durch Medien , geprägt .Diese Tatsachen bedingen
dass sie sich Gefühle wie Zärtlichkeit,
Fürsorge , Angst ,Liebe und Schmerz häufig
nicht eingestehen oder verleugnen . Bei
dem Versuch , dem eigenen Männerbild zu
entsprechen , ist das Gefühl zu
versagen und nicht zu genügen vorprogrammiert .
Nur erlebbare Männer sind in der Lage ,
den Jungen in diesem Konflikt eine Perspektive
zu bieten
Möglichkeiten der Jungenarbeit
Wir bieten den Jungen einen Raum , in
dem sie zwei verschiedene Männertypen mit
unterschiedlichen Werten , Fähigkeiten
und Toleranzen kennen lernen können.
Mit denen sie spielen , toben , aber
auch Konflikte austragen und sich streiten können.
Ein Raum , der frei ist von weiblichen
Maßstäben und Beurteilungen, dies entbindet
sie der Notwendigkeit sich gegenüber
Mädchen und Frauen abzugrenzen und zu
profilieren . Jungen brauchen einen Ort
für „ jungentypische „ Verhaltensweisen und
großräumiger Bewegung, aber auch die
Ermutigung für „ jungenuntypische „
Verhaltensweisen .Nicht nur Wut und
Aggression sondern auch Angst , Liebe ,Furcht
und Ohnmacht sind Gefühle , die jeder
Junge kennt und den Umgang damit lernen muss .
Die Jungengruppe bietet einen Rahmen
und die Möglichkeit auf die einzelnen Bedürfnisse
einzugehen .In der Praxis versuchen wir
dieses durch sehr unterschiedliche Spielangebote
zu erreichen .Es ist uns wichtig nicht
nur „ jungentypische „ Eigenschaften wie Kraft ,
Schnelligkeit usw. in den Vordergrund
zu stellen sondern auch Fähigkeiten wie Kreativität
Phantasie und soziale Kompetenz .
Zudem ist es wichtig das Jungen ihre
Grenzen und die Anderer kennen lernen
Wichtige Grundlage der Jungengruppe ist
es , eine Atmosphäre zu schaffen wo sich
jeder Junge in der Gruppe sicher und
integriert fühlt .
Der zeitliche Rahmen
Pro Gruppe gilt 1 Stunde einmal in der
Woche .
Im Elementarbereich sind es die Jungen
die als nächste zur Schule kommen und
im Hortbereich alle anwesenden Jungen .

( Text: Heiko Brandt )
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